Raub und Rückkehr der zwei größten Weildorfer Glocken
Aus Aufzeichnungen der ehemaligen Gemeindeverwal-tung Weildorf...
Einer Kopie einer Aktennotiz - gefunden im ehemaligen Ratszimmer des Weildorfer Rathauses (heute Musikschule der Gemeinde Salem) - entnehmen wir:

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Von den 3 Glocken der Pfarrkirche wurden im Jahre 1942 (Anm.: 22.04.1942) auf Befehl des Führers 2 abmontiert und abtransportiert. 1. Die große Glocke, 12 Zentner schwer, gegossen 1821 von Meister Koch in Salem. Auf dem Glockenmantel sieht man das Bild der heiligsten Dreifaltigkeit, der sie geweiht ist, dann das Bild der schmerzhaften Mutter des Herrn, der Kirchenpatrone Petrus und Paulus und des hl. Märtyrers Sebastian. 2. Die mittlere Glocke, 6 Zentner schwer, die Ave Maria-Glocke, die 1857 vom Glockengießer Rosenlächer in Konstanz gefertigt wurde. An ihrem Mantel leuchtet die Engelsbotschaft: "Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir!" Zurück blieb nur die kleinste Glocke, 3 Zentner schwer, auch gegossen von Rosenlächer in Konstanz im Jahre 1857. Diese ist dem hl. Martin geweiht, dessen Bild sie trägt. Die Inschrift lautet: "Hl. Martinus, bitte für uns!" Dem Heiligen gegenüber sieht man Christus am Kreuz. Darunter stehen die Worte: "Es ist vollbracht!" Am 13. Januar 1948 wurden die beiden geraubten Glocken in der Kreishauptstadt Überlingen auf geschmücktem Wagen heimgeholt, wo sie von Hamburg kommend eingetroffen waren. Die Glockenfeier fand am 12. Februar (1948) in der Pfarrkirche statt.

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Für diese Glockenfeier wurde mit der oben dargestellten Aktennotiz folgendes Lied archiviert:
1. 
Ihr habt sie vernommen die freudige Kunde, ihr hörtet die Botschaft zur glücklichen Stunde: Die Fortgeführten, Verlorengeglaubten, die sie vor Jahren vom Turme uns raubten, : die Glocken, die Glocken, sie kehrten heim! : 2.
Wir haben gebangt, wir haben getrauert, so viele Jahre hat es gedauert, dass wir die Stimme nicht mehr hörten, die uns die Ehrfurcht Gottes lehrten : im frommen heiligen Glockenklang :
 3.
Jahrhunderte schallte ihr ehernes Rufen, es knieten vor des Altares Stufen der Menschgeschlechter in stillen Gebeten dem Herrn sich zu nahn in des Lebens Nöten : gerufen von dem metallenen Mund. :
 4.
So lasset uns danken dem gnadenreichen, dem gütigen Vater, der uns zum Zeichen der göttlichen Huld seine Glocken sandte, damit von neuem über die Lande : ihr mahnender Ruf in die Herzen dringe. : Glockengeläute
 5. Sie nahen, sie kommen, die Glocken, die Glocken! O lasset uns jubeln, o lasset uns frohlocken! Sie sollen im tönenden Schall uns sagen, was sie erlitten, was sie ertragen. Sie sollen uns künden von ihrem Geschick und von der Jahrhunderte Not und Glück.

 

 

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